Durchblutung bei Hochdruck- und Normaldruckglaukom

Augendrucksenkung

Der Schwerpunkt unserer Webseite ist die Durchblutung beim Glaukom. Trotzdem besprechen wir hier auch kurz die augendrucksenkende Therapie und dies aus folgenden Gründen: a) der erhöhte Augendruck ist und bleibt natürlich ein wichtiger, für viele Patienten sogar der wichtigste Risikofaktor, b) ein Senken des Augendruckes verbessert auch die Augendurchblutung, insbesondere bei Patienten mit einer gestörten Autoregulation und c) augendrucksenkende Medikamente haben oft einen augendruckunabhängigen positiven oder negativen Einfluss auf die Durchblutung.
Effect of Acetazolamide on the Differential Threshold Acetazolamid (Diamox R) ist ein perorales Medikament, das ursprünglich als Diuretikum entwickelt wurde. Heute wird es u.a. zur Senkung eines erhöhten Hirndruckes verschrieben. In der Augenheilkunde wird es wegen den möglichen Nebenwirkungen nur für kurze Behandlungen, z.B. bei Notfällen, zur Senkung des Augendruckes eingesetzt. Flammer et al. haben beobachtet, dass Diamox bei gewissen, v.a. jüngeren Patienten, das Gesichtsfeld signifikant verbessert. Bevor Nervenfasern beim Glaukom absterben, durchlaufen sie meistens eine Phase, in der sie zwar noch leben aber nicht mehr funktionieren. Wird eine gestörte Durchblutung normalisiert, so funktionieren diese Nervenfasern wieder und das Gesichtsfeld wird besser. Das ist genau das, was Diamox bewirkt.
Is the medication used to achieve the target intraocular pressure in glaucoma therapy of relevance? – An exemplary analysis on the basis of two beta-blockers Ist es von Bedeutung, mit welchem Medikament ein gewünschter Augendruck erreicht wird? In anderen Worten, hängt die Prognose einfach nur von der Höhe des Augendruckes ab, oder auch vom gewählten augendrucksenkenden Medikament? Grieshaber et al. haben den Effekt von verschiedenen Betablockern auf den Augendruck und den Gesichtsfeldverlauf untersucht. Sie konnten zeigen, dass die Gesichtsfeldprognose nicht nur von der erreichten Drucksenkung, sondern ganz klar auch vom gewählten Medikament abhängig ist. Deshalb ist es wichtig, dass der Arzt die individuelle Risikokonstellation des Patienten und die Wirkungsweise der einzelnen Medikamente kennt, damit er oder sie für jeden Patienten die optimale Wahl treffen kann.
Effects of the Glaucoma Drugs Latanoprost and Brimonidine on Corneal Temperature Für Patienten kann es relevant sein, welche weiteren Effekte augendrucksenkende Medikamente haben. Insbesondere würden wir gerne wissen, ob die Augentropfen einen Einfluss auf die Durchblutung der Augen haben. Konieczka et al. haben gezeigt, dass die Applikation von Brimonidin und die Kombination von Brimonidin mit Latanoprost die Hornhauttemperatur signifikant verringert, während Latanoprost alleine keinen Einfluss hatte. Das ist ein indirekter Hinweis dafür, dass augendrucksenkende Medikamente einen Einfluss auf die Durchblutung haben können.
Intraocular pressure decrease after local ocular cooling is underestimated by applanation tonometry Dass der Augendruck nicht eine fixe Grösse ist, sondern über den Tag und von Tag zu Tag schwankt, haben wir bereits diskutiert. Der Augendruck wird von sehr vielen Faktoren beeinflusst. Ein Beispiel ist die Temperatur der Umgebung. Orgül et al. zeigen in dieser Arbeit, dass bereits ein Kaltluftstrom den Augendruck senkt.
Effect of Hospitalization on Intraocular Pressure in Patients With High Tension and Normal Tension Glaucoma Es ist bekannt, dass Stress den Blutdruck erhöht. Weniger bekannt ist, dass der Stress auch den Augendruck erhöht. Deshalb empfehlen gewisse Augenärzte ihren Glaukom-Patienten Methoden zum Stressabbau. In dieser Arbeit zeigen Haufschild et al., dass während einer Hospitalisation der Augendruck innert Tagen sinkt, auch wenn die Therapie während dieser Zeit nicht geändert wird. Dieser Effekt beruht wahrscheinlich darauf, dass sich die meisten Patienten im Laufe des Spitalaufenthaltes langsam entspannen.
Rho-Kinase-Hemmer als neue lokale Therapieoption beim primären Offenwinkelglaukom Obwohl augendrucksenkende Medikamente sehr häufig verschrieben werden, sind in den letzten Jahren und Jahrzehnten wenig neue Substanzen auf den Markt gekommen. Nach der Einführung der Prostaglandin-Analoga in den 90iger Jahren dauerte es 20 Jahre, bis eine neue Substanzklasse, nämlich die Rho-Kinase-Hemmer auf den Markt kamen. Diese neuen Medikamente haben Erb et al. in diesem Artikel beschrieben.
Is There More to Glaucoma Treatment Than Lowering IOP? Die Senkung des Augendruckes galt über lange Zeit als die einzige wirksame Methode, um das Auftreten oder Fortschreiten eines Glaukom-Schadens zu verhindern. Viele Menschen mit einem hohen Augendruck entwickeln aber nie einen Schaden und Menschen mit einem Glaukom-Schaden haben oft nie einen erhöhten Augendruck. Weiter gibt es die bittere Erfahrung, dass eine Augendrucksenkung alleine das Fortschreiten des Schadens oft nicht verhindern kann. Das hat immer wieder zur Frage geführt, ob es nicht doch auch noch weitere Therapien gibt, so wie das Mozaffarieh et al. in diesem Review schon vor Jahren diskutierten.