Durchblutung bei Hochdruck- und Normaldruckglaukom

Vaskuläre Dysregulation

Die Weite der Blutgefässe regelt die lokale Durchblutung und diese wird permanent dem Bedarf des Gewebes angepasst. Werden die Blutgefässe weiter oder enger gestellt als es dem Bedarf entspricht, so nennt man das eine vaskuläre Dysregulation. Solche Fehlregulationen können in Arterien, Kapillaren und Venen vorkommen. Sind sie die Folge einer anderen Störung oder Krankheit, dann sprechen wir von einer sekundären vaskulären Dysregulation (SVD). Oft sind Fehlregulationen aber nicht die Folge anderer Krankheiten, sondern sind anlagebedingt. Bei solchen Menschen können Stimuli, wie z.B. Kälte oder emotioneller Stress eine abnorme Antwort der Gefässe auslösen. Wir sprechen dann von einer primären vaskulären Dysregulation (PVD). PVD spielt bei vielen Krankheiten eine Rolle. Wir fokussieren uns hier auf die Rolle von PVD beim Glaukom.
Vascular Dysregulation: A Principal Risk Factor for Glaucomatous Damage Flammer und Mitarbeiter haben als erste erkannt, dass vaskuläre Dysregulationen bei Glaukom-Patienten häufig sind und dass die primäre vaskuläre Dysregulation (PVD) ein wesentlicher Risikofaktor für das Auftreten und Fortschreiten eines Glaukom-Schadens ist, insbesondere bei Patienten mit Normaldruckglaukom.
Primäre vaskuläre Dysregulation und Glaukom Konieczka und Fränkl erklären pathophysiologisch , wie eine vaskuläre Dysregulation zum Glaukom-Schaden führen kann. Bei Menschen mit primärer vaskulärer Dysregulation ist die Autoregulation der Augendurchblutung gestört. Damit führen Schwankungen des Augeninnendruckes und des Blutdruckes zur instabilen Sauerstoffversorgung des Auges. Dies wiederum hat zur Folge, dass der oxidative Stress vor allem in den Mitochondrien des Sehnervenkopfes zunimmt. Dies führt zur Schwächung der Energieversorgung und längerfristig zum Untergang der Axone.
The primary vascular dysregulation syndrome: implications for eye diseases In diesem Review «The primary vascular dysregulation syndrome: implications for eye diseases» beschreiben Flammer und Konieczka ausführlich und anschaulich die verschiedenen Aspekte, sowohl der sekundären wie v.a. auch der primären vaskulären Dysregulation und ihre Folgen, insbesondere für das Auge. Es ist gleichzeitig eine Zusammenfassung der Forschung dieser Gruppe. Im Zusammenhang mit dem Glaukom interessant sind der Einfluss u.a. auf die Gefässe in der Glaukom-Papille, die Papillen-Randblutungen, die Aktivierung der Astrozyten, den oxidative Stress in den Mitochondrien der Axone.
In glaucoma patients, low blood pressure is accompanied by vascular dysregulation Die Forschungsgruppe von Konieczka hat gezeigt, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen der primären vaskulären Dysregulation und der arteriellen Hypotonie. Beides sind Risikofaktoren für das Auftreten und Fortschreiten eines Glaukom-Schadens, insbesondere bei Normaldruckglaukom. Es ist deswegen bei solchen Patienten jeweils schwer zu beurteilen, ob der Schaden mehr durch die Dysregulation oder eher durch den tiefen Blutdruck entstanden ist. Deswegen ist es sinnvoll therapeutisch beides anzugehen.